Panel: Do you believe in Cinema after Defeat?
- > Sonntag, 26 April 2026 · 17:00 | Spore Initiative |
1967 erlebte die arabische Welt nach dem Sechstagekrieg einen tiefgreifenden politischen und psychologischen Zusammenbruch. Die Niederlage, im Arabischen als al-Naksa (der Rückschlag) bekannt, traf Künstler:innen und Intellektuelle in der gesamten Region zutiefst. Für den ägyptischen Filmemacher Youssef Chahine wurde dieser historische Moment zu einem Wendepunkt, der sowohl sein Filmschaffen als auch sein politisches Bewusstsein neu prägte.
Chahines Reaktion auf die Niederlage spiegelte sich in seinen darauffolgenden Filmen wider: The Choice (1971), The Sparrow (1972) und The Return of the Prodigal Son (1976) setzen sich mit den Ursachen und Folgen des kollektiven Traumas auseinander. Anstatt eine einfache politische Analyse zu liefern, untersuchen diese Filme, wie sich die Niederlage auf das private Leben, die persönliche Identität und den künstlerischen Ausdruck auswirkt.
In Chahines Filmen wird die politische Katastrophe zum Auslöser für Selbstfindung und Neuorientierung. Chahine bewegte sich dabei entlang zweier zentraler filmischer Linien: Einerseits erzählte er seine eigene Geschichte in autobiographischen Filmen wie Alexandria Why? (1978), An Egyptian Story (1982) und Alexandria Again and Forever (1989), andererseits betrachtet er die Geschichte neu wie in Adieu Bonaparte (1985), The Sixth Day (1986), The Emigrant (1994) und The Destiny (1997).
Anlässlich des hundertsten Geburtstags Chahines reflektiert dieses Panel über die Beziehung zwischen Niederlage und Transformation im Kino, in der künstlerischen Praxis und in persönlichen Erinnerungen. Wie verändern politische Niederlagen kreative Stimmen? Wie verarbeiten Filmemacher:innen persönliche und kollektive Traumata durch das Erzählen von Geschichten? Was kann Chahines Werk für die Auseinandersetzung mit Niederlagen in der heutigen Zeit bieten? Was bleibt von seinem Vermächtnis, und wie können wir damit auf eine Weise umgehen, die seinem Werk neues Leben und neue Ausdrucksmöglichkeiten verleiht?
Diese Themen diskutieren wir mit Viola Shafik (ägyptisch-deutsche Filmemacherin, Autorin und Theoretikerin) und Essa Grayeb (palästinensischer bildender Künstler), die beide eine persönliche Beziehung zum filmischen Erbe von Youssef Chahine haben.
Die Paneldiskussion steht dem Festivalpublikum offen: allen, die Chahine lieben, allen, die sich mit seinem Filmschaffen auseinandersetzen möchten, allen, die mehr über sein Werk erfahren wollen, und vor allem all jenen, die trotz Niederlagen weitermachen.
Kuratiert und moderiert von Hosam Fahmy (Filmkritiker, Psychiater und Programmkurator bei ALFILM).

