Herzlich Willkommen

zum Programm der 12. Ausgabe des Arabischen Filmfestivals Berlin.

In diesem Jahr findet ALFILM vom 21. bis 30. April 2021 als Home Edition statt und bringt mit frischen Filmen aus dem gegenwärtigen arabischen Filmschaffen Festivalflair in Ihr gemütliches Zuhause.

Alle Filme werden bei der neuen Berliner Streamingplattform Indiekino Club online gezeigt. Weitere Information finden Sie hier.

Filmgespräche und Podiumsdiskussionen werden live auf unserer Facebook Seite übertragen.

Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie Frisches Kino!

Tickets

sind während des gesamten Festivals direkt auf der Streamingplattform Indiekino Club erhältlich.

Eröffnet wird am 21. April mit 200 METERS, ab dem 22. bis zum 30. April steht dann das ganze Program online zur Verfügung.

Filmleihgebühr: 4,50 Euro/Film

Zahlung ist mit Kreditkarte oder Paypal möglich. Sobald für den Film bezahlt wurde, steht der Film für 48 Stunden zur Verfügung.

Die Live-Veranstaltungen (Filmgespräche und Podiumsdiskussionen) werden kostenlos auf Facebook übertragen.

Official Selection

Trotz der Herausforderungen und Einschränkungen, die die Pandemie für unser Leben und insbesondere für das kulturelle Leben mit sich bringt, geht es dem arabischen Kino wirklich gut. Mehrere Filme in der 12. ALFILM Home Edition haben Festivals und Publikum weltweit erobert. 200 Meters, Ameen Nayfehs Spielfilmdebüt und ALFILMs diesjähriger Eröffnungsfilm, gewann nach der Weltpremiere bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig drei Preise beim El Gouna Filmfestival, darunter den Preis für den besten Schauspieler für Ali Suleiman. Sameh Alaa schrieb bei den Filmfestspielen in Cannes 2020 Geschichte und holte sich die Golden Palme für den besten Kurzfilm mit I Am Afraid To Forget Your Face. Sofia Alaouis So What If The Goats Die wurde mit dem Kurzfilmpreis der Grand Jury in Sundance sowie mit dem César für den besten Kurzfilm ausgezeichnet. Sami Bouajila gewann ebenfalls den César für seine schauspielerische Leistung in A Son von Mehdi Bersaoui. The Man Who Sold His Skin von Kaouther Ben Hania ist für den Oscar für den besten internationalen Spielfilm nominiert, eine Premiere für Tunesien.

Beeindruckende Filmkunst, packende Geschichten und unverblümte Aussagen stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Official Selection, gepaart mit starken Protagonist*innen, die sich ihren Herausforderungen stellen und für Veränderung kämpfen. Der farbenfrohe Dokumentarfilm Amussu beleuchtet den Kampf der Amazigh-Gemeinden, um die Kontrolle über die natürlichen Ressourcen ihres Landes zu behalten und die Ausbeutung ihrer Wasserreserven zu verhindern. Im Mittelpunkt der beiden saudi-arabischen Spielfilme Last Visit und Scales stehen Protagonist*innen, die sich weigern, sich an die traditionellen Geschlechterrollen zu halten, die ihnen von den patriarchalischen Gesellschaften, in denen sie leben, zugewiesen werden. Adam und 143 Sahara Street malen Porträts starker Frauen, die sich mit ihren Entscheidungen und ihrem Lebensstil dem Status Quo widersetzen und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, während Marianne Khoury in ihrem Dokumentarfilm Let’s Talk die herausfordernde Aufgabe übernimmt, die „Herstory“ ihrer Familie zu erzählen.

Migration ist auch ein zentrales Thema der Official Selection der 12. ALFILM Home Edition. Fünf Spiel- und Dokumentarfilme setzen sich mit diesem Thema auseinander und untersuchen jeweils eine andere Phase der Migration. In The Man Who Sold His Skin ist ein junger syrischer Flüchtling bereit, seinen Körper in ein Kunstwerk verwandeln zu lassen, um nach Europa zu gelangen und mit der Frau, die er liebt, wieder vereint zu sein, während Purple Sea den Zuschauer in die radikale und bedrückende Realität eines sinkenden Flüchtlingsbootes auf dem Mittelmeer eintauchen lässt. We Are From There folgt zwei syrischen Brüdern auf einer über 5 Jahre dauernden Reise, die sie von Damaskus nach Schweden und Deutschland führt. Der Film begleitet sie beim Versuch ein neues Zuhause zu finden. Fortschritt im Tal der Ahnungslosen hingegen konzentriert sich auf Fragen wie Akzeptanz und Integration und erzählt die Geschichte der ungewöhnlichen Begegnung zwischen jungen syrischen Flüchtlingen und Arbeitern der ehemaligen DDR-Fabrik „Fortschritt“. Schließlich untersucht My English Cousin das Leben eines Algeriers, der seit über 15 Jahren in London im Exil lebt und der zwischen den beiden Kulturen, zu denen er jetzt gehört, hin- und hergerissen ist.

Um das in der diesjährigen Official Selection so zentrale Thema näher zu beleuchten, wird gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung und den Filmemacher*innen Amel Alzakout (Purple Sea), Wissam Tanios und Milad Khawam (We Are From There) eine Online-Podiumsdiskussion zu Flucht und Migration im Film stattfinden.

Genres Revisited: Visionäre Bildwelten und fragmentierte Narrative im zeitgenössischen arabischen Kino

Genrefilme wie Horror, Science-Fiction, Abenteuer, Thriller und Komödie haben sich in den letzten Jahren vermehrt vom Mainstream Kino in den Autorenfilm bewegt. Vor allem junge Filmemacher*innen aus den verschiedenen Ländern der arabischen Welt und ihrer Diaspora nutzen die Möglichkeiten des Genres, um jenseits des bisher vorrangig geförderten sozialkritischen Realismus eigene Bildsprachen zu entwickeln oder aber auch tabuisierte und traumabehaftete Themen auf der Leinwand sichtbar zu machen. Moderne Genre-Erzählungen nutzen seit den gesellschaftskritischen Spätwestern oder den zivilisations- und fortschrittskritischen Science Fiction die Mittel der im Genre tradierten Codes, um gesellschaftliche Missstände aufzudecken und mehrdimensionale Charaktere und Narrative zu erschaffen. Diese Filme meiden die einfachen Antworten der traditionellen Genrefilme. Die Komplexität der darin entworfenen Welten bedient sich oft einer fragmentierten Erzählung, eines unzuverlässigen oder subjektiven Erzählers, um die Brüche zwischen Realität und Wahrnehmung sinnlich erfahrbar zu machen.

In Amin Sidi-Boumédiènes Abou Leila (2019) werden die Konventionen des Roadmovies als Vorwand benutzt, um uns auf eine wilde und spannende Entdeckungsreise zu entführen, die die Beziehung zweier unterschiedlicher Freunde und die Abgründe eines quälenden Geistes erforscht. Diese traumartige Erzählung gipfelt in Horror und Splatter-Sequenzen mitten in der Wüste und wirft ein Licht auf die zerstörerische Realität des algerischen Bürgerkriegs.

Divine Intervention des palästinensischen Regisseurs Elia Suleiman (2002) greift nur im letzten Teil des Films auf die Verwendung der Action-Genre-Konventionen zurück. Nach einer scharfen und humorvollen Auseinandersetzung mit der Absurdität des Lebens in Palästina unter der israelischen Besatzung führt die Umwandlung der Protagonistin in eine Ninja-Kämpferin, die in der Lage ist, israelische Soldaten im Alleingang zu besiegen, zu einem unplausiblen Happy End. Die Verwendung der Konventionen des Action-Genres, die dem Zuschauer einen freudigen und kathartischen Moment beschert, unterstreicht die Absurdität der Lage des Palästinensischen Volkes: Die Lösung seines Kampfes wird umso unmöglicher, da sie nur in der unrealistischen Welt der Genrefilme erreicht werden kann.

Das folkloristische Setting eines Historien- bzw. düsteren Märchenfilms in Scales der saudischen Regisseurin Shahad Ameen (2019) wird durch eine kontrastarme schwarz/weiß-Fotografie gebrochen, bis die Protagonistin schließlich das Geheimnis der misogynen Strukturen ihrer Gesellschaft offen legen kann.

The Last Man des libanesischen Regisseurs Ghassan Salhab (2006) ist ein unkonventioneller und rätselhafter Vampirfilm. Obwohl er den Konventionen des Genres treu bleibt, erforscht dieser unblutige Arthouse-Film die innere Psyche eines Mannes, der ähnlich wie Beirut, wo er lebt, weder tot noch lebendig ist.

Das Kurzfilmprogramm Science-Fiction und Zerrissene Welten vereint zudem drei wundervolle Filme. Das eindringliche In Vitro (2019) der palästinensisch-russisch-dänischen Videokünstlerin Larissa Sansour über die Geschichte, Zukunft und Erinnerung einer Nation und von Individuen. In diesem Film arbeitet Sansour bewusst mit den visuellen Mitteln teuer wirkender Spezialeffekte und glänzender Opernräume, deren Illusion einer strahlenden Zukunft stets auch den Kern eines Zivilisationsbruchs in sich tragen. Der kinematografisch eindrucksvolle marokkanische Kurzfilm So What If The Goats Die von Sofia Alaoui (2019) untersucht die möglichen Veränderungen, die durch eine Invasion aus dem Weltall in eine traditionelle Gesellschaft entstehen können. Der mysteriöse Elpide von Gaelle Azzam (2019) erzählt von einem Jungen, der versucht seinem Schicksal zu entkommen, das den strengen Regeln der dystopischen Gesellschaft, in der er lebt, entspricht.

Das Thema des diesjährigen Spotlights wird durch Filmgespräche und einer Podiumsdiskussion vertieft.

Home Edition auf Indiekino Club vom 21. bis 30. April 2021

Das komplette Filmprogramm wird über Indiekino Club gestreamt. Nachdem Sie sich mit Ihrem Namen und Ihrer Emailadresse dort registriert haben, finden Sie unter ALFILM 2021 das Filmprogramm. Alle Filme sind in Originalsprache mit englischen Untertiteln, nur in Deutschland während des gesamten Festivalzeitraums und mit einem individuellen Zuschauerlimit pro Film verfügbar. Ausnahme macht der Film THE MAN WHO SOLD HIS SKIN, der nur bis einschließlich 25. April zur Verfügung steht und mit deutschen Untertiteln gezeigt wird. Nach der Buchung stehen die Filme jeweils 48 Stunden zur Verfügung.

Die Filme können mittels Apple Airplay oder Chromecast gestreamt werden. Mehr Informationen finden Sie hier.

@