ALFILM SPOTLIGHT

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Lebanon – From Civil War to Chaos: A Tribute to Filmic Resistance

Das 13. ALFILM SPOTLIGHT widmet sich unter der Schirmherrschaft von Volker Schlöndorff, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und mit Unterstützung des Leibniz-Zentrum Moderner Orient, dem Libanon, um auf die Missstände und die Krise im Libanon aufmerksam zu machen. Das Programm möchte ein besonderes Augenmerk auf die Filmschaffenden legen, die ihr Schicksal kreativ in die Hand nehmen, Trauma und Erfahrungen filmisch umsetzen und so Widerstand aktiv gestalten.

Mit Blick auf den aktuellen finanziellen Zusammenbruch, mit dem der Libanon konfrontiert ist, beleuchtet das SPOTLIGHT das libanesische Kino vom Bürgerkrieg bis heute, um die filmischen Positionen in Bezug auf die Entwicklungen im Libanon nachzuzeichnen und die Ursprünge der Krise zu verstehen. Tatsächlich haben die Gründe für den libanesischen Finanzkollaps ihre Wurzeln im libanesischen Bürgerkrieg, der das Land tief und gewaltsam entlang religiöser Linien spaltete. Nach dem offiziellen Ende des Bürgerkriegs übernahmen viele Kriegsherren, Führer der konfessionellen Parteien und Milizen, die den Krieg geführt hatten, die Macht und regieren das Land bis heute.

Angesichts der daraus resultierenden Misswirtschaft und Korruption der libanesischen herrschenden Klasse haben es sich Filmemacher:innen zur Aufgabe gemacht, die Mainstream-Diskurse herauszufordern und alternative und kritische Perspektiven zur vorherrschenden sozialen und politischen Vernachlässigung zu bieten.

Von Borhane Alaouiés Beirut, the Encounter (Libanon/Belgien/Tunesien, 1981), der sich bereits während des Bürgerkriegs gegen die Spaltung der libanesischen Gesellschaft aussprach und entschieden gegen sektiererische Tendenzen positionierte, bis Mounia Akls Costa Brava, Lebanon(Libanon/Frankreich/Spanien/Schweden/Dänemark/Norwegen/Katar, 2021), der die sozialen und emotionalen Auswirkungen der aktuellen Finanzkrise auf das Leben einer libanesischen Familie untersucht, werfen die diesjährigen SPOTLIGHT Filme ein Licht auf die fehlenden Maßnahmen einer korrupten politischen Elite und die Ursachen des Kollaps.

Die Frage der physischen Zerstörung und des Wiederaufbaus Beiruts und die Parallelen zwischen der ständigen Veränderung der Stadt und ihrer Bewohner:innen, insbesondere einer Generation, die während des Krieges aufgewachsen ist, stehen im Zentrum von Ghassan Salhabs Terra Incognita (Libanon/Frankreich, 2002). Simon El Habers neuer Dokumentarfilm Re-Destruction (Libanon, 2021) untersucht indessen die Schäden, die die korrupte Politik nach dem Bürgerkrieg für den Wiederaufbau der zentralen Viertel von Beirut in der Nähe des Hafens angerichtet hat.

Die Filmemacher:innen der Nachkriegszeit haben es sich auch zur Aufgabe gemacht, sich aktiv mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und die Fragen von Schuld und Wiedergutmachung in die öffentliche Debatte einzubringen. In Nos Guerres Imprudentes (Libanon/Frankreich, 1995) untersucht Randa Chahal Sabag das Engagement ihrer eigenen Familie im Bürgerkrieg und in Once Upon a Time, Beirut (Libanon/Frankreich, 1995) betont Jocelyne Saab die Bedeutung der Erinnerungsarbeit für eine Generation, die während des Krieges geboren wurde und die Unmöglichkeit, ohne Kenntnis und Verständnis der Geschichte des Landes voranzukommen.

Auch in Memory Box (Joana Hadjithomas and Khalil Joreige, Libanon/Frankreich/Kanada/Katar, 2021), der das SPOTLIGHT eröffnet, ist das Erinnern für die Darstellung von Zeitgeschichte ein zentrales Thema. Dazu gehört auch die Beschäftigung mit den emotionalen Folgen von Kriegstraumata.

Eine Kurzfilmreihe (A Declaration of War, Ely Dagher, Libanon, 2021 – Struck, Sarah Kaskas, Libanon, 2021 – Recovery, Jean-Claude Boulos, Libanon, 2021) widmet sich den Folgen der Hafenexplosion und der Finanzkrise für die neue Generation libanesischer Filmemacher:innen.

Zwei Podiumsdiskussion mit Filmemacher:innen aus dem Libanon und Vertreter:innen von ALFILMS Kooperationspartnern Beirut DC und die Cinematheque Beirut werden das SPOTLIGHT begleiten. Themen wie Die vielfältigen Rollen von Archiven sowie Filmemachen in Krisenzeiten werden analysiert und diskutiert und in einen gesellschaftspolitischen Kontext gebracht. Eine Masterclass mit Regisseurin Eliane Raheb wird auch das ALFILM SPOTLIGHT ergänzen.

 

 

 

 

Filme des 13. ALFILM SPOTLIGHT

A Declaration of War

A Declaration of War

SPOTLIGHT SHORTS: Beirut, One Year Later, Im Rahmen des PANELS: Filmemachen in Krisenzeiten
> 23.4.2022 | 17.00 | Silent Green
Marcedes

Marcedes

Double Feature mit My Father Is Still a Communist
> 22.4.2022 | 19.30 | Silent Green
Memory Box

Memory Box

> 21.4.2022 | 19.00 | Arsenal
>> 22.4.2022 | 19.30 | Kulturbrauerei
Re-Destruction

Re-Destruction

Double Feature mit Nos Guerres Imprudentes
> 22.4.2022 | 21.00 | Arsenal
Recovery

Recovery

SPOTLIGHT SHORTS: Beirut, One Year Later, Im Rahmen des PANELS: Filmemachen in Krisenzeiten
> 23.4.2022 | 17.00 | Silent Green
Struck

Struck

SPOTLIGHT SHORTS: Beirut, One Year Later, Im Rahmen des PANELS: Filmemachen in Krisenzeiten
> 23.4.2022 | 17.00 | Silent Green
Topology of an Absence

Topology of an Absence

Im Rahmen des PANELS: Die vielfältigen Rollen von Archiven beim Erarbeiten von Gegenerzählungen: vom Persönlichen zum Kollektiven
> 22.4.2022 | 17.00 | Silent Green